Gipfelstürmer in den Nockbergen

Für alle Zahlenfreunde noch einmal eine kleine Zwischenbilanz:

Strecke: 496 km

Aufstieg: 18.130 hm

Abstieg: 17.530 hm

23 Gehtage 

127 Stunden reine Gehzeit 

3 Pausetage 

1 Regentag 



Meinen Ruhetag in Murau verbringe ich hauptsächlich in einer sehr gemütlichen Hängematte im Stadtpark. Sogar mit öffentlichem WLAN. So liege ich hier sechs Stunden, lausche dem Rauschen des Bachs und dem Zwitschern der Vögel. Ein sehr gemütlicher Tag. Der eigentliche Plan ins Freibad zu gehen erledigt sich, als ich von außen in das Naturfreibad blicke. Der künstlich angelegte Badesee ist nur zu einem Drittel gefüllt. Von mehreren Seiten fließt kontinuierlich frisches kaltes Wasser ins Becken. Doch ich habe Glück. Die Inhaberin des Freibads lässt mich ins Wasser. Es ist schon witzig ein ganzes Freibad für sich alleine zu haben. Ich planschen ein bisschen im Bauchnabel hohen eiskalten Wasser, bevor ich mich auf in den Stadtpark zu den Hängematten aufmache. Hier ist es doch am gemütlichsten.


Abends kommt endlich meine gute Freundin Marlies in Murau mit dem Bus an. Gemeinsam starten wir eine Wanderung durch die Nockberge. Den Wanderführer für den Salzsteigweg habe ich nun doch nicht umsonst mitgenommen. Einige Etappen können wir noch auf ihm wandern. Im Unterschied zu den Nordalpen, gab es den Wintereinbruch im April nicht. Es ist sowieso sehr warm und trocken hier. Die Schneegrenze liegt weit über 2300m. Nur sehr vereinzelnte kleine Schneefelder konnten der Sonne bis jetzt noch trotzen. 

Die Nockberge bilden den westlichen Teil der Gurktaler Alpen. Es handelt sich hierbei um eine nicht zu hohe, maximal 2400m,  eher sanftere und lieblichere Bergwelt. Die vielen Gipfel und Grate sind bis oben hin mit Gras bewachsen und es gibt wenige schroff abfallende Hänge. 

Das sind natürlich nicht nur ideale Bedingungen fürs Wandern, sondern im Winter auch fürs Skifahren. Das merken wir schnell. Die Ortschaften sind wie ausgestorben, überall wird Werbung für  den    Wintersport gemacht, etliche Unterkünfte sind geschlossen und die Landschaft ist gespickt von Skiliften, Bergbahnen und Pisten. Beim Wandern ein eher unschöner Anblick. Und vorallem Skipisten in der knallen Sonne hochzukeuchen sind doch eher eine Qual als eine Freude. Besonders am ersten Tag in den Nockbergen bereitet uns die Skipiste am Ende des 1200 hm langen Aufstiegs eine besonders große Freude. Zum Glück kommt der Wanderer nach dem Überschreiten der Skigebiete in unberührte faszinierende Gebiete der Nockberge. Ganz besonders ist dies natürlich in dem Gebiet des Nationalparks Nockberge der Fall.


Die Suche nach einer Unterkunft ist unkompliziert. Da wir morgens nicht wissen, wo genau wir abends landen, buchen wir nicht. Das ist eigentlich auch kein Problem. Bis auf der Turracher Höhe. Auf der Wanderkarte sind Unmengen von Hotels und Pensionen eingezeichnet. Schließlich ist es ein Wintersportort. Aber genau darin liegt das Problem. Nichts ahnend fragen wir gleich in der ersten Pension. Doch diese gibt es nicht mehr. Schließlich klappern wir den ganzen Ort ab. Alles hat geschlossen. Nein, ein einziges Hotel ist seit drei Tagen wieder offen. Aber es ist ein vier Sterne Hotel. Nichts für uns! Wir gehen weiter. Keine Chance! Uns bleibt nichts anderes übrig, als nach dem Preis zu fragen. Wir treten ein. Doch so richtig wohl fühlen wir uns, verschwitzt und stinkend wie wir sind, nicht. Freundlich werden wir empfangen und bekommen günstiger als befürchtet und gerade noch erschwinglich ein schönes großes Zimmer. So genießen wir den Luxus, den man als Wanderer normalerweise nicht hat. 


Die ersten beiden Tage führen uns über einige Grate und Kämme stundenlang immer in leichtem auf und ab von einem Gipfel zum nächsten. So können wir an zwei Tagen neun Gipfel besteigen. Die Sicht ist der Wahnsinn. Ragen im Norden die schneebedeckten schroffen Gipfel der Niederen Tauern auf, so reicht der Blick nach Süden bis zu den Karawanken und den karnischen Alpen. Einfach wunderschön. Doch so ganz unanstrengend ist das ganze Unterfangen nicht. Schließlich legen wir an zwei Tagen 50 km und 3.000 hm im Aufstieg in 19 Stunden zurück. Da ist es gar nicht so schlimm, dass wir in den nächsten Tagen mit Gewittern zu kämpfen haben und die Etappen kürzer ausfallen müssen. Allerdings müssen auch die vorgesehenen weiteren stundenlangen Gratwanderungen auf niedrigere Höhen verschoben werden. Die Abschnitte in offenem ausgesetzten Gelände werden so kurz wie möglich. Stattdessen geht es mehr durch den Wald und kleine Ortschaften. 

Wanderern sind wir nur wenigen begegnet. Kein Wunder, die Wandersaison hat noch nicht richtig begonnen. Die Gipfelbücher bestätigen dies. In einigen haben sich dieses Jahr gerade mal ein Dutzend Wanderer oder noch weniger eingetragen. Die Wanderwege sind teilweise nur mühsam zu finden. Gerade Wege, die über Wiesen führen, sind kaum auszumachen. Trampelspuren gibt es noch nicht. Passt man nicht ganz genau auf, verpasst man die Abzweigung. Dass uns das natürlich bei der längsten Etappe passieren muss, ist mal wieder typisch. Dass der Wanderweg aber auch über eine hohe Wiese mit kaum Markierungen gehen muss:)


Die Wiesen der Nockberge haben einiges zu bieten. Die tollsten Bergblumen blühen hier in wirklich rauem Gelände, über das nicht selten ein starker Wind peitscht. Leider kennen wir uns mit Blumen nicht besonders gut aus. Unten sind aber trotzdem ein paar Bilder von der wunderschönen bunten Pflanzenwelt der Alpen. Vielleicht kennt sich ja der eine oder andere besser aus als ich und erkennt die eine oder andere Blüte.

Fällt uns die Bestimmung von Blumen doch sehr schwer, so erkennen wir wenigstens die Tiere, die uns begegnen. Ein Murmeltier sitzt vielleicht 2m vom Weg entfernt hinter einem Stein. Es ist genauso erschrocken wie wir, als wir so nah an ihm vorbeilaufen. Murmeltiere sind schon wirklich süße Tiere. Und so nah eines zu sehen ist doch eher selten. Das zweite Highlight an diesem Tag sind die beiden Hirsche, die sich unbemerkt von uns etwas oberhalb von uns auf einer Wiese bewegen.  


Bis jetzt sind die Kuhweiden noch leer. Der Almauftrieb hat erst vereinzelt stattgefunden. Doch was ist das. Bei unserem heutigen Abstieg, wir sind schon fast im Ort Arriach angekommen, belagert eine ganze Kuhweide den Forstweg. Links und rechts die Zäune, die eigentlich die Kuhweiden begrenzen. Durch diesen schmalen Weg durch die Kühe hindurchgehen wollen wir nicht, vor allem weil einige süße kleine Kälbchen dabei sind. Dann drehen wir den Spieß einfach mal um. Wir klettern über den Zaun um über die Kuhweide am Forstweg vorbei zu spazieren.



Murau
Murau
Auf der flachen Scharte nahe dem Gipfel 'Falkert'
Auf der flachen Scharte nahe dem Gipfel 'Falkert'
Blick zurück in Richtung Bad Kleinkirchheim
Blick zurück in Richtung Bad Kleinkirchheim
Mitten in den Nockbergen
Mitten in den Nockbergen
Einer von vielen Gipfeln
Einer von vielen Gipfeln